Klassisches Südböhmen

Holašovice

Autem 27 min

Holašovice steht wegen eines außergewöhnlich erhaltenen Dorfplatzes mit Höfen im Bauernbarock auf der UNESCO-Liste. Es ist kein Freilichtmuseum: in den Häusern wohnt man noch. In fünf Jahrhunderten wurde die Bevölkerung zweimal fast bis auf den letzten Menschen ausgetauscht.

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Holašovice ist ein südböhmisches Dorf sechzehn Kilometer von Budweis, seit 1998 auf der UNESCO-Welterbeliste: kein Skansen, sondern ein lebendiges Dorf, in dem man in diesen Höfen noch wohnt. Um den rechteckigen Platz mit Teich, Kapelle und Schmiede stehen zweiundzwanzig Gebäude im Bauernbarock: verzierte weiße Fassaden, die wohlhabende Bauern Ende des 19. Jahrhunderts bauten. Auffälliger als die Fassaden ist, dass die Bevölkerung in fünf Jahrhunderten zweimal fast bis auf den letzten Menschen ausgetauscht wurde und die Häuser überlebten.

Praktische Angaben

  • Autem 27 min
  • Öffnungszeiten: náves je veřejné prostranství — volně přístupná kdykoli a zdarma, není to areál s otevírací dobou

Vor Ort

Der Platz ist weit, rechteckig und eben, mit einem Teich in der Mitte und der Kapelle des heiligen Johannes von Nepomuk; in wenigen Minuten umrundet man ihn und sieht alle zweiundzwanzig Gebäude. Wohnhäuser und Speicher sind meist mit dem Giebel zum Platz orientiert (dem verzierten Ende), und die Höfe erreicht man durch gemauerte Torbögen. Fassaden lohnen langsames Vergleichen: Giebel wiederholen sich in Varianten, nicht als Kopie, mit feinem Stuck und auf manchen Jahreszahlen und Initialen der Bauherren. Die heutige Form gaben Maurermeister, die Giebel und Tore in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umbauten.

Am Platz steht auch die Dorfschmiede. Das Infocenter sitzt im ehemaligen tschechischen Schulhaus: genau dem Haus, in das nach Entstehung des Protektorats die deutsche Grenzschutz einzog. Darin gibt es eine kleine volkskundliche Ausstellung mit alten Fotos vor der Sanierung: der beste Weg vor Ort zu sehen, dass der heutige Zustand nicht selbstverständlich war; auf den Bildern wirken dieselben Häuser wie in den 1980ern. Zum Vergleich draußen: Nachbardörfer haben denselben Bautyp, aber mit modernen Umbauten, Kunststofffenstern und Anbauten. Der Unterschied ist sofort sichtbar.

(In der Umgebung wird auch ein sogenanntes „südböhmisches Stonehenge“ genannt, ein Kreis aufgerichteter Steine. Herkunft und Datierung ließen sich aus verfügbaren Quellen nicht zuverlässig klären und hängen nicht mit dem Dorfdenkmal zusammen; vor einer Aufnahme in den Text prüfen, ob es modern ist.)