Legend · České Budweis

Bummerin

Schwarzer Turm, Přemysl-Otakar-II.-Platz, České Budějovice · 1507

Bummerin ist die größte Glocke am Schwarzen Turm in České Budějovice. Der Legende nach fand sie kein Glockengießer, sondern ein entlaufenes Schwein, das auf der Weide bei Lišov die Erde aufscharrte. Die Leute von Lišov stellten fest, dass ihr Turm sie nicht tragen würde, und verkauften sie nach Budweis für drei kleine Glocken und so viele Silbermünzen, dass man damit die ganze Straße hätte pflastern können.

Ilustrace k pověsti Bummerin

Am Schwarzen Turm in České Budějovice hängt Bummerin, die größte ihrer Glocken. Über ihren Ursprung erzählt man diese Legende. Auf der Schweinewiese bei Lišov, nahe Klaudy, hüteten Hirten Schweine. Einer von ihnen weidete dort einmal die Herde mit seinem Hund. Gegen Abend trieb er die anvertraute Herde heim, und unterwegs lief ein Schwein davon. Er schickte den Hund hinterher. Und der Hund kam nicht zurück. Die Zeit verging, über der Wiese dämmerte es, und die Tiere meldeten sich nicht. Schließlich ließ der Hirte die Herde stehen und ging selbst hinterher. Er suchte lange, bis er wieder auf die Weide kam, von der sie ausgegangen waren. Dort sah er zu seinem Erstaunen, wie das Schwein wütend die Erde aufscharrte und der Hund bellend um es herumsprang. Der Mann trat näher. In der aufgewühlten Erde, zwischen Wurzeln und Steinen, ragte die Kante von etwas Großem und Metallischem hervor. Als er sie mit den Händen freilegte, erkannte er, dass er auf den Rand einer riesigen Glocke blickte. Er zögerte nicht und lief nach Lišov, den Fund zu melden. Der Stadtrat ließ die Glocke heben und ins Städtchen bringen. Die Leute von Lišov wollten sie behalten und im Turm der örtlichen Kirche aufhängen. Es zeigte sich jedoch, dass sie für ihren Turm zu groß war. Also verkauften sie sie nach Budweis. Dafür sollen sie drei kleine Glocken und so viele silberne Zwanziger bekommen haben, dass man damit in einer einzigen Reihe die Straße von Budweis bis Lišov hätte pflastern können.

Wie es wirklich war

Die Glocke Bummerin am Schwarzen Turm in České Budějovice wurde 1507 direkt in Budweis gegossen, 1573 auf den Schwarzen Turm gebracht und nach dem Zerbrechen 1723 umgegossen; heute wiegt sie 3.429 Kilogramm.

Bummerin hängt am Schwarzen Turm und ist wirklich die größte. Sie wiegt 3.429 Kilogramm, misst im Durchmesser 181 Zentimeter und ist 147 Zentimeter hoch.

In die Erde hat sie niemand vergraben. Die ursprüngliche Bummerin goss 1507 direkt in České Budějovice der örtliche Büchsenmacher und Gelegenheitsglockengießer Mikuláš. Sie wog etwa 4.627 Kilogramm und hing am alten Turm der St.-Nikolaus-Kirche. Auf den im Bau befindlichen Schwarzen Turm wurde sie zusammen mit anderen schweren Glocken 1573 gebracht.

Die heutige Glocke ist die zweite. Am 21. März 1723 sprang die ursprüngliche Bummerin beim Läuten während einer Prozession. Im August desselben Jahres goss der Linzer Glockengießer Sylvius Kreutz sie in die Gestalt um, in der sie bis heute hängt. Zur Erhaltung des Zusammenklangs wurden zugleich auch die Glocken Marta und Poledník umgegossen.

Und der Name? Er stammt weder aus Lišov noch sonst woher. Er leitet sich vom tiefen Klang der Glocke ab; in verschiedenen Formen schreibt man Bummerin, Bumerina, Pumerina oder Pummerin.

Die Lišover Legende ist dabei alt und belegt: in direkt nachgewiesener Form findet man sie im Budweiser Heimatbuch von 1930, einschließlich Hund und Schwein, Turm, der die Glocke nicht trägt, und Silbermünzen, mit denen man die Straße von Budweis nach Lišov hätte pflastern können. Heute wird oft noch eine Rudolfstadt-Einleitung angehängt; die ist jünger und fehlt in der belegten Fassung von 1930.

Wohin zur Sage

Schwarzer Turm, Přemysl-Otakar-II.-Platz, České Budějovice. Das Glockengeschoss ist zugänglich, zum Umgang führen 225 Stufen. Bummerin sieht man auf dem Weg nach oben.

Woher wir es wissen

  • Encyklopedie Českých Budějovic, hesla Bumerin, zvony, zvonařství
  • KOBLASA, Pavel; KOVÁŘ, Daniel. Kniha o Černé věži. Rudolfov: Jelmo, 1997
  • KRATOCHWIL, Karl; MEERWALD, Alois. Heimatbuch der Berg- und Kreisstadt Böhmisch-Budweis. Böhmisch Budweis, 1930, s. 528: lišovská verze pověsti